GESCHICHTE DER EXPOSITUR

Nach dem zweiten Weltkrieg war die berufliche Vermittlung der gehörlosen Pflicht­schülerInnen äußerst schwierig. Während es 1943 in Wien noch vierzehn gehörlose Lehrlinge im Kleidermachergewerbe gab,  waren es 1952 nur noch zwei.

Besonders die Mädchen hatten Probleme, eine geeignete Lehrstelle zu finden. Wer Glück hatte, fand einen Platz als Hilfsarbeiterin oder Reinigungskraft. Wenn die Eltern es sich leisten konnten, schickten sie ihre Töchter nach der Pflichtschule in eine Nähschule. Für die Gesellenprüfung musste das notwendige theoretische Wissen in privaten Kursen erlernt werden. Obwohl der fachbezogene Deutschunterricht, Schriftverkehr, Buchhaltung und andere Gegenstände kostenlos waren, konnte die Mehrzahl der interessierten Mädchen dennoch die Kosten für die Ausbildung nicht aufbringen.

Vielen begabten Absolventinnen des Taubstummeninstitutes blieb deshalb der Weg zu einer fundierten Ausbildung im Schneiderinnenberuf verwehrt. Da die festge­setzte Mindestanzahl an Anmeldungen nicht mehr erreicht werden konnte, löste man die, für die gehörlosen Lehrlinge  bestehenden, Klassen in der Berufsschule für Klei­dermacherInnen auf.

Im Oktober des Schuljahres 1953/1954 wurde die Expositur der HLMW9 im Bundestaubstummeninstitut Speisinger Straße 105, 1130 Wien,  eröffnet. Anfang der 80er Jahre übersiedelte die Expositur zusammen mit dem Bundeinstitut für Gehörlosenbildung zum jetzigen Standort Maygasse 25, 1130 Wien.

Im Laufe der Zeit wurden die Ausbildungsziele der Expositur den Bedürfnissen der hörbeein­trächtigten SchülerInnen angepasst. Ursprünglich wurde die Fach­schule für DamenkleidermacherInnen 4-jährig geführt. Im Schuljahr 1987/1988 kam ein 2-jähriger Aufbaulehrgang im Fachbereich DamenkleidermacherInnen hinzu.

Um den SchülerInnen eine größere Bandbreite an Berufen und mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen, wurde im Schuljahr 2002/2003 die 3-jährige Fachschule für wirtschaftliche Berufe eröffnet. In diesem Zusammenhang wurde die Ausbildung mit einem 3-jährigen Aufbaulehrgang für wirtschaftliche Berufe erweitert.