Aus der Vergangenheit lernen

Am 12. März 1938 wurde der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich vollzogen. Zwei Wochen später kündigte der nationalsozialistische Gauleiter Oberösterreichs die Errichtung eines Konzentrationslagers an. Als Standort wurde der an der Donau gelegene Ort Mauthausen gewählt. Als größtes Vernichtungslager der Nationalsozialisten auf dem Gebiet der damaligen Ostmark, erlangte Mauthausen traurige Bekanntheit.

Mit diesem Hintergrundwissen absolvierten alle Klassen der Expositur der HLMW9 am Ende des 1. Semesters eine ganztägige Exkursion zur jetzigen Mahn- u. Gedenkstätte.

Unser Rundgang begann im Außenbereich des ehemaligen Lagers. Wir kamen am Gelände eines Fußballplatzes und der Krankenstation der Häftlinge vorbei. Da die Einlieferung in die Krankenstation meistens den sicheren Tod bedeutete, arbeiteten viele kranke Häftlinge lieber weiter, als sich krank zu melden.

Aus einiger Entfernung konnten wir die berüchtigte „Todesstiege“ sehen. Hier mussten die Inhaftierten mehrmals täglich extrem schwere Granitblöcke über die 186 Stufen 31 Meter nach oben schleppen. Die Stufen hatten in unregelmäßigem Abstand eine Höhe von einem halben Meter wodurch es immer wieder zu tödlichen Stürzen kam.

Am Appellplatz wurde uns erzählt, welche Methoden angewandt wurden, um die Häftlinge ihrer Menschenwürde zu berauben. Dazu gehörten stundenlanges Strammstehen mit oder ohne Kleidung, der Verlust aller privaten Habseligkeiten, das Abrasieren der Haare und Erdulden der Schikanen der SS-Mannschaft. Auch wurden die Inhaftierten nur mehr mit Nummern gerufen, um ihnen ihre persönliche Identität zu nehmen.

Wir besichtigten auch zwei Baracken, in denen die Häftlinge auf sehr engem Raum geschlafen hatten. Die damaligen Bedingungen wurden durch Bilder und Berichte an den Wänden dokumentiert.

Unser Rundgang führte uns dann weiter zum Ausgangspunkt der „Mühlviertler Hasenjagd“, einem Ausbruchsversuch von über 500 Häftlingen, von denen nur elf Flüchtende überlebt hatten.

Gegen Ende des Rundgangs wurden wir von unserer Begleiterin auf den letzten Programmpunkt, die Gaskammer und das Krematorium, vorbereitet. Den Weg durch diese Räumlichkeiten setzten wir schweigend und im Gedenken an die Opfer, weiter.

Ein Workshop, in dem wir uns mit verschiedenen Lebensgeschichten von Personen der damaligen Zeit auseinandersetzten, bildete den Abschluss unserer Exkursion.

Der Besuch stärkte unser Bewusstsein, dass solche Grausamkeiten unter keinen Umständen mehr zugelassen werden dürfen. Mit entsprechender Nachdenklichkeit und Betroffenheit traten wir die Heimreise an.

„Die Geschichte ist nicht Vergangenheit. Sie ist Gegenwart. Wir tragen sie in uns. Wir sind unsere Geschichte.“ James Baldwin

Die Expositur

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