Junge Autoren und Autorinnen in der HLMW9

Heuer haben auch wir beim Wettbewerb „Texte. Preis für junge Literatur“ teilgenommen. Es war für uns eine Chance, unsere Kreativität zu beweisen und zu zeigen, dass wir uns im Deutsch-Unterricht mit der deutschen Sprache intensiv auseinander setzen. Vor die Aufgabe gestellt, kurze Texte zum Thema „GENUG“ zu verfassen, nahmen wir, d.h. die Deutsch-Klassen unter der Leitung von Frau Prof. Stindl die Herausforderung an. So entstanden Kurzgeschichten, Gedichte, Monologe und Erzählungen. Rund 400 Texte aus Wien, den Bundesländern, Deutschland, aus der Schweiz und S-Tirol wurden eingeschickt und bewertet.

Und siehe da, 4 Schülerinnen der 3HKA sowie eine Schülerin der 5HMB schafften es in die Vorrunde , wobei Pascal Hlavka , Schüler der 5HIA sogar ins Finale kam. Er bekam die Chance mit den Finalisten und Finalistinnen beim Workshop teilzunehmen und begleitet von namhaften Autoren und Autorinnen Finaltexte zu erstellen. Im Anhang findet ihr einige Kostproben, die euch hoffentlich vom literarischen Talent der Jungautorinnen und Jungautoren überzeugen. Wir sind sehr stolz auf ihre Leistung!

Hier einige Kostproben – viel Spaß beim Lesen:

„Ich habe fertig“ von Pascal Hlavka 5HIA

Als Sport- bzw. Fußballfan fallen einem viele Interviews ein, in denen die jeweiligen Sportler „die Schnauze voll haben“ und dies auch klar und deutlich zum Ausdruck bringen. Im Jahr 1998 hat der derzeitige Nationaltrainer des Vatikan, Giovanni Trapattoni, mit seiner dreieinhalbminütigen Brandrede seinen Ärger freigelassen. Am Ende des Ausbruches hatte nicht nur er, sondern auch seine Stimme, genug. Mit den Worten „Ich habe fertig“ hat er den Journalisten den Rücken zugewendet.

Diese Rede ist meiner Meinung nach sehr bemerkenswert, denn jeder Mensch hat irgendwann einmal genug. Der Unterschied ist allerdings, dass nicht jeder vor die Medien tritt und seinen Zorn hinausbrüllt. Doch wieso kommt das Gefühl immer wieder auf, genug zu haben? Genug von den Medien, genug von der Arbeit, genug von der Familie und vermutlich auch genug von Freunden und Bekannten.

Wahrscheinlich sind alle genannten Faktoren Teil einer Spirale, der wir nicht entkommen. Der Unmut beginnt beim Frühstück, an dem zumeist ein Morgenmuffel die Vorfreude auf die Arbeit entsprechend erhöht, wird fortgesetzt in der U-Bahn, wo man sich durch einen Dschungel von Gratis-Zeitungen den Weg ebnet und erreicht den Höhepunkt beim Anblick der Leserschaft dieser Zeitungen. Man darf genug haben. Genug von Print-Medien, deren einziges Ziel es ist, das Volk verdummen zu lassen.

„Abdera ist überall“, Wielands Fazit nach jahrelanger Forschung über die Dummheit. Die Menschheit scheint sich von ihr nicht lösen zu können. Neue Print-Medien und unqualifizierte Blogs bzw. Kommentare im Internet scheinen diesen Prozess zu unterstützen. Wobei der Fortschritt in der Menschheitsgeschichte schon immer Kritik vertragen musste. So bezeichnete Alexander Pope (1688-1744) den Buchdruck als „einen eilfertigen Unsinn, der des Hirnes Zickzack durchläuft“.

Genug von der kollektiven Dummheit, die sich in Form eines religiösen oder ideologischen Fanatismus artikuliert. Genug von religiösem Extremismus und infolgedessen genug vom Krieg auf dieser Welt. Ich würde mich über eine Welt ohne Krieg freuen, eine Welt, in der die Energie des Krieges in Schöpferisches umgesetzt wird. Allerdings sind dies höchstwahrscheinlich naive Ansichten, da der Homo Sapiens ein streit- und konfliktsüchtiges Wesen ist. Außerdem ist Naivität ebenfalls Bestandteil Abderas, daher ist tatsächlich keiner von ihr verschont.

Im Zuge der angesprochenen Globalisierung und dem technischen Fortschritt würde ich gerne mit meinem persönlichen Lieblingszitat abschließen, denn ich habe noch nicht genug. „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht“-Vaclav Havel. 3387 Punkte

Wolkenauge von Patricia Rosenwirth 3HKA

Einmal die Augen öffnen. Einmal atmen, erleben, spüren, wenn auch nur für eine herrliche Sekunde. Einmal die Sonne auf der kalten, ausgedörrten Haut spüren und zu wissen, dass sich der Himmel aufklärt. Die hässliche Wolke verschwindet, die so lange über den Augen der Menschen prangte und du siehst.

Was wirst du erzählen nach all der Zeit, in der deine Augen verschlossen waren? Von Krieg, Neid, Eifersucht, dass der Himmel einmal frei von Wolken war? Wer wird dir glauben, wer hört dir zu? Wer ist noch aufmerksam, wer vergisst nicht? Genug von dem Schmerz, der Pein, der hässlichen Wolke, die so lange über der Erde gehangen hat, die alles Umliegende vergiftet und geraubt hat.

Hast du bemerkt, wie schnell es geschah, dass alle Menschenaugen stumpf wurden, wie eine Wolke vor ihren Augen?   
 
534 Punkte

Wir schaffen das!   von Pia Steinwender 3HKA

Ich habe genug von meinem Vater. Er ist ein sich vor der Verantwortung drückender Mensch, dem seine eigenen Kinder egal sind. Ihm ist es egal, dass er so gut wie nichts über seine Kinder weiß. Obwohl ich fast keinen Kontakt mehr mit ihm habe, erschwert er meinem Bruder, meiner Mama und mir noch immer das Leben. Ich habe ihn seit über einem Jahr nicht mehr gesehen und kaum mit ihm gesprochen, dennoch schafft er es meine Familie und mich immer aufs Neue zu verletzen. Ich habe es immer wieder versucht, mit ihm Kontakt zu haben, doch es war ihm nicht wichtig genug. Ich habe es vor langem aufgegeben und mit ihm abgeschlossen. Das einzige was mich jetzt noch verletzt ist, dass mein Bruder keinen Vater und somit auch kein Vorbild hat und meine Mutter alles auf sich nimmt, um meinem Bruder und mir alles zu ermöglichen. Zum Glück haben wir viele andere Menschen, die uns lieben und so gut es geht versuchen uns zu helfen, aber es ist und bleibt einfach traurig, dass mein Bruder und ich unserem Vater nichts wert sind. Wir sind ihm gleichgültig. Ich weiß nicht wie oft ich schon von meiner Mutter gehört habe: „Wir schaffen das schon“. Aber ich habe Angst, dass wir es nicht schaffen und meine Mutter und mein Bruder daran zerbrechen. Es gibt nicht viele Menschen, die so kämpfen würden wie meine Mutter es für meinen Bruder und mich tut. Ich bin so froh, dass ich sie habe und sie hat Recht, wenn sie sagt, dass mein Vater meinen Bruder und mich nicht als Kinder verdient hat, denn wie sie immer sagt, wir haben uns gut entwickelt und können stolz auf uns sein.      Punkte 418

Der schmale Grat zwischen Versöhnung und Verlust von Maida Halilovic 5HMB

Ich mein‘, genug ist doch wirklich genug! Genug von der Ausbildung, genug von der Familie, genug von Freunden, genug von allem. Wenn man vom Teufel spricht… „Ich geh schlafen, gute Nacht. " „Ich liebe dich auch.“ Genug von Streitereien, und, oh Gott, genug davon, dass einem ein Streit tagelang nachgetragen wird. Wenn man in Wahrheit genug von sich selbst hat, dreht man eben mal durch. Genug verronnene Tränen und genug hingeschmissene Nerven. Kein Wunder, dass man genug hat. Hmm… genug von sich selbst haben. Ja, das muss es sein.

. . . „Aber Ena, das ist doch unfair!“ „So, jetzt hab‘ ich aber genug für heute!“ Einen solchen Satz von einer Dreijährigen zu hören ist wohl das Mitbringsel der neuen Generation Z; und das nur, weil man ihr erklärt, dass man beim Versteckenspielen nicht mogelt… Ob sie wohl auch schon genug von sich selbst hat? Drei Jahre nachdem sie das Licht der Welt erblickt hat?

Man kann es niemandem übel nehmen genug zu haben. Genug zu haben ist doch nicht weiter schlimm… zumindest solange man sich schnell wieder fasst. Doch der Grat zwischen Versöhnung und Verlust kann schon mal schmal genug sein, um in der Verzweiflung über zu schwenken. Man riskiert einen Menschen, den man über alles liebt, zu verlieren; bloß weil man genug von sich selbst hat. Wahrscheinlich ist ER nun an dem Punkt angelangt, an dem er genug hat. . . Seinen inneren Schweinehund nur noch einmal überwinden und ein letztes Mal sich aufrichtig entschuldigen oder ihm einfach Zeit lassen? Ach was, ich habe genug davon, dass er denkt, dass nur mir alles genug ist. Genug von der Arbeit, genug von den Geschwistern, genug von der Stadt. Ich warte ab, dass er das Gespräch sucht. Immerhin möchte ich mich auch, wenn ich genug habe, so ganz für mich alleine sammeln. Man sagt doch "Sabr" haben. Das bedeutet die Tugend zu warten, geduldig zu sein, Standhaftigkeit beweisen und nicht von seinen Träumen locker zu lassen. "Es tut mir leid, ich hatte gestern einfach genug. Es hat sich alles die letzten Tage angesammelt. Ich liebe dich doch, das weißt du. Wir sehen uns beim Abendessen nach der Arbeit. " 378 Punkte

Genug ist nie genug von Lidia Matosevic 3HKA

Genug? Was ist eigentlich „genug“? Genug von der Arbeit, genug von der Schule, genug von den Freunden, der Familie? Was versteht man unter „genug“? Hab ich genug zu Essen und Trinken? Hab ich genug Geld? Wieviel ist eigentlich genug? Für manche ist genug nicht viel, für manche ist es zu viel. Ich habe genug Kraft, ich habe genug Fantasie. Ich habe von allem genug. Irgendwann muss genug sein. Nur Chaos in meinem Kopf. Erwachsene fragen immer: „Hast du nicht genug?“. Was ich nur sagen kann ist: „ Ich habe nie genug“. Ich stehe in der Früh auf, frühstücke, ziehe mich an und gehe in die Schule. Am Abend gehe ich zum Training. Anschließend lege ich mich ins Bett und denke über den Tag nach. Letztendlich denke ich mir dann immer: „ Ich habe genug“. Jeden Tag ist es ein gleicher Tag und trotzdem habe ich genug. Ich bin müde. Ich will schlafen. In der Früh blicke ich in die Stadt. Was sieht man? Leute hören Musik, unterhalten sich, streiten, amüsieren sich. Trotz allem kommen sie am Abend müde nach Hause und haben einfach Genug. Genug kann nie genügen. Du hast genug. Sie hat genug. Er hat genug. Ich hab genug. Wir haben genug. Genug ist genug.

Auch wenn man wahrlich genug hat, reiht sich alles wieder - wenn man geduldig ist - ein; doch alles, das sich auch mit größter Mühe und Not nicht einreihen lässt, ist wohl nicht für einen bestimmt.
267 Punkte

 

 

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