Stets erinnern, nie vergessen – Besuch einer Zeitzeugin in der HLMW9

Am 30. Mai 2018 besuchte uns die Zeitzeugin Frau Dr. Helga Felder-Busztin und berichtete den SchülerInnen der Expositur und der 3HKB sowie einigen interessierten Maturantinnen von ihren Erlebnissen zur Zeit des Holocaust. Sie erzählte vom Ghetto Theresienstadt und wie sie durch Glück dem Transport in das Konzentrationslager in Auschwitz und somit dem Tod entkam. Für die gehörbeeinträchtigten SchülerInnen wurde ihre Erzählung von Prof. Burgstaller in die Gebärdensprache übersetzt.

Frau Felder-Busztin berichtete zuerst von ihrer Kindheit in Wien. Als Kind konnte sie kaum verstehen, warum sie auf einmal anders behandelt und aus ihrer Klasse geworfen wurde. Bis heute beschreibt sie diese Zeit als die schrecklichste ihres Lebens. Wieso beschimpften sie fremde Leute plötzlich oder schlugen sie sogar grundlos? Damals musste sie einen Judenstern tragen. Einen solchen Judenstern, einen Ausweis mit dem obligatorischen „J“, und einige Fotos aus ihrer Kindheit und Jugend hat sie auch mitgebracht. Im Jahre 1943 wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester nach Theresienstadt deportiert. Frau Felder-Buztin erinnert sich noch gut an ihren ersten Tag in Theresienstadt. Es war schmutzig, die Matratzen der Stockbetten waren aus stechendem Stroh, es gab Wanzen oder Flöhe. Ein Bett mussten sich oft mehrere teilen und das Essen war knapp und kaum genießbar. Nur durch glückliche Zufälle entkam sie der Deportation nach Auschwitz: Beim ersten Transportbefehl war sie eingeschlafen und hatte die Abfahrt verpasst, ein anderes Mal wurde sie versteckt, und beim letzten Mal durfte sie bleiben, weil ihre Arbeitskraft benötigt wurde. Frau Dr. Felder-Buztin erinnert sich auch an die Befreiung durch die Russen, die ihr so viel zu essen gaben, dass ihr schlecht wurde, da sie es nicht mehr gewohnt war, einen vollen Magen zu haben. Einige Monate nach der Befreiung fand sich die ganze Familie wieder in Wien. Auch Helga, ihre jüngere Schwester, und ihre Mutter hatten Theresienstadt überlebt, und auch der Vater, der zuerst im KZ Buchenwald und später im KZ Auschwitz Unvorstellbares erleben musste, war noch am Leben.

Heute geht es Frau Dr. Felder-Bustin gut. Albträume hat sie schon lange nicht mehr. Das Gefühl beweisen zu müssen, dass sie nicht weniger wert ist als andere, hat sie jedoch ihr Leben lang begleitet und angetrieben. Sie hat eine Karriere als Ärztin gemacht, eine Familie gegründet, hat Kinder und Enkelkinder. Allerdings denkt sie noch oft an ihre Erlebnisse während der Zeit des Nationalsozialismus. Dann sind ihr die Menschen, die ihr und ihrer Familie geholfen haben, indem sie sie versteckten oder ihnen einfach nur Essen gaben, ein Trost.

Ihre Lebensfreude hat sie sich stets erhalten und es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Menschen über ihr Erlebtes zu erzählen, um zu verhindern, dass wieder eine Minderheit ausgegrenzt, verfolgt und umgebracht wird.

Es war ein berührender Vortrag, der uns das Leid der jüdischen Bevölkerung in der schreckliche Zeit des Nationalsozialismus in Österreich besser verstehen lässt. Es war beeindruckend, wie lebensfroh Frau Dr. Feldner-Busztin zu uns gesprochen und wie offen sie unsere Fragen beantwortet hat.

Luise Macku, 3HKB

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