Die HLMW9 ist COOL

„COOL“ steht für Cooperatives Offenes Lernen und bietet den Schüler*innen die Möglichkeit, all ihre intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten, ihre unterschiedlichen Begabungen, ihre Kreativität, ihre Neugier, ihre Spielfreude und ihre soziale Kompetenz in den Unterricht einzubringen. Die Schüler*innen arbeiten während der COOL-Phasen selbstständiger als im traditionellen Unterricht. Sie sind entspannter und helfen einander häufiger, denn die Initiative geht von ihnen aus. Während die Schüler*innen arbeiten, können sich die Lehrer*innen ganz bewusst jenen Schüler*innen widmen, die gefördert werden müssen, weil sie hochbegabt sind oder bestimmte Defizite haben. COOL ist dazu da, für Schüler*innen Freiräume zu schaffen, um ihre eigenen Ressourcen zu entdecken und diese weiterzuentwickeln.

COOL ist ein pädagogischer Ansatz für mehr Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Kooperation in der Sekundarstufe I und II. Die Grundlagen dafür kommen aus verschiedenen reformpädagogischen Strömungen des 20. Jahrhunderts, vor allem aber aus dem von Helen Parkhurst in den USA entwickelten Daltonplan (Freedom, Cooperation, Budgeting Time).

Lernsituation

Die Grundprinzipien des Daltonplans

Freedom

Gemeint ist damit die Wahlfreiheit hinsichtlich Aufgabenabfolge, Zusammenarbeit, Arbeitsplatz, zu verwendender Hilfsmittel und Zeiteinteilung auf Seiten der Lernenden – auf Seiten der Lehrenden hinsichtlich Organisation und Abfassung der schriftlichen Arbeitsaufträge (Assignments), der Arbeitsmittel und Zeitvorgaben, der Form der Leistungskontrolle und letztlich der Form der individuellen Zusammenarbeit mit dem einzelnen Lernenden. Parkhurst definierte ihren Freiheitsbegriff immer in Verbindung mit Verantwortung – Freiheit also durch Übernahme von Verantwortung, dafür Befreiung von einengenden, starren Strukturen, die den Arbeitsfluss unterbrechen und die Lernintensität behindern.

Cooperation

Dieser „soziale“ Grundsatz des Daltonplans beinhaltet weniger die konkrete Vorschreibung von Partner- und Gruppenarbeit – die Entscheidung über die Sozialform der Arbeit wird weitgehend den Schüler*innen überlassen – als die Beseitigung kommunikationshemmender Strukturen im Schulleben. Nach Parkhursts Auffassung entfaltet sich die soziale Dimension schulischen Arbeitens von selbst, wenn man die Konkurrenzsituation des Frontalunterrichts abbaut und den Schüler*innen die Möglichkeit einräumt, nach Bedarf und Belieben zu kooperieren, auch über die Grenzen der Klassengemeinschaft hinweg. Die Erfahrung, dass nicht nur die individuelle Arbeitsleistung, sondern auch eine gemeinsame Erarbeitung von Lösungswegen zu einem Erfolgserlebnis führen kann, sollte die entscheidende Grundlage für spätere Teamarbeit und gemeinschaftliche Verantwortung schaffen.

Budgeting Time

Dieses dritte Prinzip – oft auch durch den Begriff der Selbständigkeit ersetzt – drückt die Bedeutung aus, die Helen Parkhurst dem Erlernen der selbständigen Planung und Organisation der Arbeit zumaß. Sie untermauerte dadurch ihren Anspruch auf Effektivität im Lernprozess und wurde dafür von den europäischen Reformpädagoginnen (z. B. von Célestine Freinet) scharf kritisiert. In sogenannten „freien Dalton-Phasen“ sollen die Lernenden selbständig an ihren schriftlich gestellten Aufgaben (Assignments) arbeiten können, für die sie in sogenannten „Special Calls“ – eher frontal strukturierten Informations- und Anleitungsphasen für alle Schüler*innen einer Gruppe oder Klasse – entsprechend instruiert wurden.

Multimediales Lernen

Wesentliche Merkmale des Cooperativen Offenen Lernens sind:

  • Die Lehrer*innen kooperieren in Klassenlehrer*innen-Teams. Wenn Schüler*innen teamfähig werden sollen, dann müssen es auch die Lehrer*innen sein. Das erfordert regelmäßige Teamsitzungen, Klausuren zu Beginn des Schuljahres und periodische Zusammenkünfte aller COOL-Lehrkräfte.

  • Die Schüler*innen arbeiten mit schriftlichen, oft auch fächerübergreifenden Assignments (Arbeitsaufträgen). In sogenannten COOL-Stunden (ab drei Einheiten bis zu einem Drittel bzw. der Hälfte der Unterrichtszeit) hat der/die Schüler*in Wahlfreiheit, wann, wo, wie und meist auch in welcher Sozialform er/sie die gestellten Aufgaben (aus mindestens drei Fächern) bis zu den vorgegebenen Terminen bewältigen will. 

  • Der/die Lehrer*in wird zum/zur Moderator*in, zum Coach, zum/zur Begleiter*in des Lernprozesses und kann so auf jede/n einzelne/n Schüler*in eingehen und sie/ihn gezielt fördern (Individualisierung des Lernprozesses).

  • Zentrale Rolle spielt die permanente Evaluation und Reflexion des Arbeits- und Lernprozesses. Unterschiedliche (auch schriftliche) Formen des Feedbacks sollen unter anderem zur kritischen Analyse des eigenen Sozialverhaltens anregen.

  • Andere Formen des Lernens brauchen andere Formen der Beurteilung. Herkömmliche Methoden der Leistungsbeurteilung werden durch Formen der direkten Leistungsvorlage (Portfolio) ergänzt.

  • Der regelmäßig stattfindende Klassenrat ist ein Selbststeuerungs- und Selbstverwaltungselement der Klasse. In ihm besprechen die Schüler*innen nicht nur ihre Anliegen, sondern trainieren auch Gesprächsregeln, Protokollführung und Moderationstechniken.

  • COOL braucht klare Strukturen und Rahmenbedingungen. In sogenannten COOL-Parlamenten bzw. Lehrer*innen- Schüler*innen-Foren (Delegiertenprinzip) werden gemeinsame Regeln des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens im COOL-Bereich erarbeitet und in „Verträge“ gegossen.

Quellen:

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