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Queeres Leben im 9. Bezirk – ein Blick in die Vergangenheit

Die Geschichte queerer Personen ist oft mit Verfolgung und Diskriminierung, Versteckspiel und Ausreden verbunden. Im Rahmen des Ethikunterrichts unternahmen die Studierenden des Kollegs einen Stadtspaziergang durch den 9. Bezirk und erkundeten Geschichten und Biografien von LGBTIQ*-Personen.

Die queere Geschichte des 9. Bezirks ist mit Höhen und Tiefen verbunden.

Andreas Brunner, Co-Leiter des Zentrums für queere Geschichte (QWien) führte die Studierenden durch den Alsergrund:

Die Tour begann beim Hotel Regina. Wir lernten die Lebensgeschichte von Franz Bruckner kennen, der dort im Hotel als Koch arbeitete und Opfer der NS-Verfolgung wurde. Der Paragraf, nach dem Homosexuelle während der NS-Zeit verurteilt wurden, war noch bis 1971 in Kraft.

In der Türkenstraße begegneten wir Trude Fleischmann, der führenden Porträtfotografin der Zwischenkriegszeit, die in lesbischen Beziehungen lebte und 1938 emigrieren musste.

Die Berggasse

Weiter führte uns der Weg zu einer bekannten Adresse in Wien, der Berggasse 19. Dort befand sich die Praxis von Sigmund Freud. Freuds Schrift über weibliche Homosexualität und die Geschichte seiner Patientin Margarethe Csonka zeigen den pathologisierenden Umgang der Psychoanalyse mit gleichgeschlechtlichem Begehren. Experte Andreas Brunner wies uns auf einen Brief hin, den der Psychoanalytiker in späteren Jahren schrieb und in dem er eine andere Sichtweise einnahm.

Der Life Ball, das Café Berg, das jetzt Florentin heißt, und die Buchhandlung Löwenherz – das sind die Aufbruchskoordinaten des Jahres 1993 in der Berggasse.

Ganz in der Nähe in der Schwarzspaniergasse vor dem Albert-Schweitzer-Haus stellte uns unser Guide die Gruppe CO (Coming Out) vor, einen losen Zusammenschluss schwuler, politisch aktiver Männer, die sich 1975 erstmals trafen. Eine offizielle Vereinsbildung war damals nicht möglich. Mit einer großen Covergeschichte in der Zeitschrift „Profil“ wurde die Gruppe mit einem Schlag bekannt.

„Ich möchte zeigen, dass schwules, lesbisches und Trans-Leben immer und überall gewesen ist und bis jetzt nur nicht wahrgenommen wurde.“, meint Andres Brunner abschließend.

Anmerkung: Die queeren Stadtspaziergänge, die QWien anbietet, sollen die Geschichten von LGBTIQ*-Personen in Wien sichtbar machen.

Betreuende Lehrkraft: Brigitte Müller

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